Es waren deutliche Worte, die Daimler-Chef Dieter Zetsche im Herbst für die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge fand: Natürlich sei nicht jeder von ihnen ein brillanter Ingenieur oder Mechaniker. Doch wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert.

Dann gab der Manager noch ein vollmundiges Versprechen: „Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land.“ Flüchtlinge müssten in Deutschland willkommen geheißen werden. „Wer an die Zukunft denkt, wird sie nicht abweisen.“

Auch andere Industriebosse hatten sich in den vergangenen Monaten für mehr Hilfe für Flüchtlinge ausgesprochen – darunter etwa Porsche-Chef Matthias Müller und der Post-Vorstandsvorsitze Frank Appel.

Nur zwei von 30 DAX-Konzernen haben Flüchtlinge fest angestellt

Doch bislang hat Daimler keinen einzigen Flüchtling festangestellt. Und damit sind die Stuttgarter nicht alleine.

Die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben seit August 2015 nur wenige Flüchtlinge in Jobs, Ausbildungsstellen oder Praktika gebracht. Das hat eine Umfrage des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ unter allen DAX-Konzernen ergeben.

Nur zwei Konzerne, Beiersdorf und Vonovia, haben nach eigenen Angaben seither Flüchtlinge fest angestellt. Bei Beiersdorf handelt es sich um eine befristete Festanstellung. Vonovia erklärt, ohne eine konkrete Zahl zu nennen, das Unternehmen habe „erste Flüchtlinge aus Syrien“ seit Anfang Februar beschäftigt.

Flüchtlinge sprechen angeblich zu schlecht Deutsch

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, erklärte zu den Ergebnissen der Umfrage im Interview mit „Report Mainz“, Grund seien die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Flüchtlinge. Wörtlich sagte Kramer: „Die Wirtschaft tut im Moment das, was sie kann, nämlich die Flüchtlinge mit Deutschkenntnissen zu integrieren.“ Selbst für Praktika sind die Deutschkenntnisse dem Verband zufolge oft zu schlecht.

Experte: Endlich den Worten Taten folgen lassen

Stephan Grünewald, einer der renommiertesten Psychologen in Deutschland, glaubt allerdings nicht, dass die damaligen Ankündigungen „ein bloßer Marketing-Trick der Unternehmen waren“. Es sei richtig gewesen, zu betonen, wie hoch die „Risikobereitschaft und der Mut bei vielen der Geflüchteten sind“, sagt er im Gespräch mit der Huffington Post.

Natürlich sei es etwa für Daimler nicht das Schlechteste gewesen, wenn ein Kunde beim Kauf eines Mercedes das Gefühl habe, er trage „zur Lösung der Flüchtlingskrise bei“, so der Mitbegründer des Rheingold-Instituts und Bestsellerautor.

Allerdings habe eine Firma mit solchen Aktionen schon im Herbst „nicht uneingeschränkt in der Öffentlichkeit gepunktet“. Auch Grünewald wünscht sich nun allerdings, dass die Firmen ihren Worten auch Taten folgen lassen und endlich Flüchtlinge einstellen.

 

 

Quelle: Von wegen Fachkräfte: Die 30 DAX-Konzerne stellen keine Flüchtlinge ein

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