Flüchtlinge als Erntehelfer? Winzer stört der Mindestlohn

Flüchtlinge als Helfer in den Reben? Nach Darstellung des Badischen Weinbauverbandes scheitert das auch am Mindestlohn – und dem bürokratischen Aufwand.

  1. Besonders wichtig ist es, die Sprache zu lernen. Foto: dpa

  2. Zur Weinlese würden viele Winzer gerne Flüchtlinge beschäftigen.Foto: dpa

  3. Besonders wichtig ist es, die Sprache zu lernen. Foto: dpa

  4. Zur Weinlese würden viele Winzer gerne Flüchtlinge beschäftigen.Foto: dpa

„Wir wollen zur Integration der Flüchtlinge beitragen“, sagt der Präsident des Badischen Weinbauverbandes, Kilian Schneider. Die Bedingungen dafür seien jedoch ausgesprochen hinderlich. Als größtes Problem bezeichnete Schneider bei der Mitgliederversammlung des Verbandes am Donnerstag in Offenburg den bürokratischen Aufwand, den Betriebe zu leisten hätten, die Flüchtlinge beschäftigen wollen. Das schrecke auch Gutwillige ab.

Verband fordert Integrationshilfe

Schneider meinte, dass der bürokratische Teil der Integration bei der Verwaltung besser aufgehoben sei. Betrieben sei diese Belastung nicht zuzumuten. Unzumutbar sei auch, dass Flüchtlingen „von der ersten Sekunde an“ der Mindestlohn zu zahlen sei. Sprachliche und andere Hürden würden den Einsatz dieser Arbeitskräfte erschweren. Er forderte eine „Integrationsbeihilfe“ für die erste Zeit der Beschäftigung. Da solle sich die Politik etwas einfallen lassen, meinte der Verbandspräsident. Das würde es den Betrieben erleichtern, Flüchtlinge als Helfer einzustellen. Allerdings gibt es bereits einige Förderprogramme sowohl für Migranten als auch Einheimische.

Schneider: Handelsketten bekriegen sich – zum Nachteil der Winzer

Sorge bereitet den Winzern auch die Marktentwicklung. Die Preise seien zum einen wegen der Exporteinbrüche unter Druck. Zum andern erschwere sie zunehmende Konzentration im Handel die Situation: „Immer weniger Einkäufer bestimmen die Preise und das Marktgeschehen“, sagte Schneider. Die Handelsketten würden „auf dem Rücken der Winzer und Landwirte“ gegeneinander Krieg führen. Und mit dem Blick auf Werbeaktionen im Einzelhandel, meinte der Verbandspräsident: „Wir hätten auch gerne Fair-Play-Konditionen“.

Bonde: Weinbaubetriebe haben trotz harten Wettbewerbs gute Perspektiven

Der für den Weinbau zuständige Landesminister Alexander Bonde (Grüne), sagte in Offenburg, dass der Weinbau maßgeblich zum guten Ruf Baden-Württembergs als „Genießerland“ beitrage. Die Weinbaubetriebe hätten trotz des harten Wettbewerbs sehr gute Perspektiven. Er erinnerte daran, dass es Winzern, Verbänden und der Politik gelungen sei, die von Brüssel ursprünglich geplante totale Liberalisierung des Rebanbaus zu verhindern. Schneider bestätigte dem Minister eine gute Zusammenarbeit.

Peter Wohlfarth, der Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, wies in seinem Rechenschaftsbericht darauf hin, dass die Zahl der Verbandsmitglieder seit Jahren sinke, die Rebanbaufläche in Baden in den vergangenen 20 Jahren jedoch stabil geblieben sei. Bei den einzelnen Bereichen gab es jedoch deutliche Verschiebungen. Im Kaiserstuhl, Breisgau und vor allem in Nordbaden sind die Weinbauflächen zurückgegangen. Am Bodensee, im Markgräflerland und in der Ortenau sind sie dagegen gewachsen.

Mehr Alkohol im Wein als Folge des Klimawandels

Aus gegebenem Anlass hatte der Verband Ulrich Fischer nach Offenburg eingeladen. Der Professor aus Neustadt an der Weinstraße sollte zum Thema „Alkoholmanagement“ referieren. Der sonnenreiche Sommer 2015 hatte für einen hohen Zuckergehalt in den Trauben geführt, der wiederum mehr Alkohol im Wein zur Folge hat als manchem lieb ist. Als Folge des Klimawandels wird das wohl nicht die Ausnahme bleiben. Bei Verkostungen würden zwar alkoholreichere, wuchtigere Weine häufig besser bewertet, der Trend gehe aber eindeutig in Richtung leichtere Weine, sagte Fischer.

„Der Klimawandel kam einfach zu schnell über uns.“Ulrich Fischer

Der Alkoholgehalt lasse sich grundsätzlich entweder schon im Weinberg (durch den Rebschnitt) erreichen oder dann bei der Herstellung im Keller. Dabei gebe es verschiedene Verfahren. Werde zu technischen Lösungen gegriffen, sei es sinnvoll, sich vorher mit dem Zoll abzusprechen, um den Verdacht der Schwarzbrennerei gar nicht erst aufkommen zu lassen. Denn letztlich werde der Alkohol dem Wein durch Destillation entzogen. In Kalifornien, so Fischer, werde bereits ein Viertel des Weines künstlich alkoholreduziert. Er sprach sich dafür aus, dass der Verbraucher (auf der Flasche) darüber informiert wird, ob der leichte Wein so gewachsen oder erst im Keller dazu gemacht wurde. „Längerfristig“, so der Professor, „brauchen wir Reben, die weniger Zucker produzieren.“ Die jetzt möglichen alkoholsenkenden Verfahren sollten nur eine Überganglösung sein. Fischer: „Der Klimawandel kam einfach zu schnell über uns“.

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