Syriens Machthaber Assad und sein Gehilfe Putin bomben Aleppo in Staub und Asche. Die Weltgemeinschaft sieht zu. Das ist nicht mehr nur beschämend.

Sie sind wie eine schallende Ohrfeige, die brutalen Bilder aus Syrien.

Seit fast sechs Jahren tobt der syrische Bürgerkrieg, Hunderttausende hat er umgebracht, elf Millionen Menschen sind deshalb auf der Flucht. Doch damit nicht genug: Derzeit bombt Syriens Machthaber Baschar al-Assad mit seinem Gehilfen Wladimir Putin Aleppo in Staub und Asche. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit wird die einst blühende Handelsmetropole ausgelöscht.

In 72 Stunden fallen bis zu 150 Bomben, ununterbrochen regnen Brandbomben und Phosphorgranaten auf die rund 300.000 eingeschlossenen Bewohner im Ostteil der Stadt, Bunkerbrecher zerstören die letzten Krankenstationen in den Kellern unter der Erde. Unablässig ziehen Helfer Babys und Kinder unter Trümmerteilen hervor, bald werden Lebensmittel und Trinkwasser aufgebraucht sein.

Die Lage in Syrien könnte desaströser nicht sein.

Das wird mittlerweile auch so benannt. Im UN-Sicherheitsrat, dessen Treffen die USA, Großbritannien und Frankreich am Sonntag eiligst einberufen hatten, saßen sich die Mächtigsten dieser Welt gegenüber und warfen Vorwürfe in den Saal. Russland verbreite Terror, rief der britische Botschafter Matthew Rycroft. Syrien und Russland begehen Kriegsverbrechen, mahnte Frankreichs UN-Botschafter. Und US-Botschafterin Samantha Power warf hinterher: Barbarei sei das, was Moskau in Syrien tue.

Es ist bekannt, dass das syrische Regime seit fünfeinhalb Jahren barbarische Kriegsverbrechen gegen die eigene Bevölkerung begeht. Assad und sein russischer Verbündeter kennen in ihrem Vernichtungswahn längst keine Grenzen mehr. Und spätestens jetzt ist klar: Um jeden Preis wollen sie das strategisch wichtige Aleppo zurückerobern, durch Aushungern und gezieltes Bombardement den Kriegsausgang zumindest militärisch für sich entscheiden – so ihr perfides Kalkül.

Trotzdem geschah nach dem Treffen des Sicherheitsrates in New York wieder einmal: nichts. Weder wurde eine Verlängerung der Waffenruhe beschlossen, noch die Einrichtung einer Flugverbotszone oder von Fluchtkorridoren für die eingeschlossene Bevölkerung in Ost-Aleppo. Es wurde nicht einmal eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

Das ist nicht mehr nur beschämend. Es ist nicht mehr zu ertragen. Denn es zeigt: Es gibt kein Instrumentarium, keine westliche Strategie, um die Syrer vor den Massakern der eigenen Regierung zu beschützen.

Stattdessen zeigte das Treffen zweierlei. Die Weltgemeinschaft ist hilflos. Und die Machtverhältnisse in der Region haben sich spätestens mit der Offensive auf Aleppo irreversibel verschoben.

An Zynismus nicht zu überbieten

Russland weist vor Selbstbewusstsein strotzend jede Verantwortung für Gräueltaten in Syrien von sich. Syrien zeigt sich siegesgewiss wie nie: Machthaber Assad, so tönt es aus Damaskus, werde als Gewinner aus diesem Krieg hervorgehen. Das Schlimme ist, er wird es wahrscheinlich wirklich. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten.

Das Inferno in Aleppo verdeutlicht, dass jedes diplomatische Bemühen, das eigene Gesicht – und vor allem die eigenen Machtinteressen – zu wahren, gescheitert ist. Es ist jetzt deutlich wie nie, wie wenig Einfluss die USA auf Assad und Putin haben, die Europäer sowieso. Assad und Putin haben vor der Wahl eines neuen US-Präsidenten oder einer neuen US-Präsidentin die Verhältnisse in Syrien zu ihren Gunsten entschieden.

Das bedeutet auch: Außer Drohgebärden ist vonseiten der Weltgemeinschaft nicht mehr viel zu erwarten. Konsequenzen werden auch jetzt nicht folgen. Zu oft hat Assad ungestraft die rote Linie überschritten und er wird das immer wieder tun. Weil er weiß, dass er es kann.

Natürlich gibt es Gründe, nicht zu intervenieren, denn das interessengeleitete und zugleich planlose Eingreifen des Westens in regionale Konflikte hat in der Vergangenheit immer wieder katastrophale Entwicklungen befördert. Der Irak-Krieg hat den Aufstieg des „Islamischen Staates“ (IS) begünstigt, die Militärintervention in Libyen hat einen gescheiterten Staat hinterlassen und den Islamisten zu mehr Einfluss verholfen. Zu wenig hatte sich der Westen zuvor mit der Region befasst, zu wenig die komplexen Machtstrukturen verstanden.

In Syrien erleben wir nun einen Tiefpunkt westlicher Fehlkalkulation. Die Weltgemeinschaft verfügt nicht einmal über genügend Drohpotenzial, um durchzusetzen, dass das syrische Regime Hilfslieferungen zu den eingeschlossenen Menschen durchlässt.

Die Leidtragenden sind in allererster Linie Zivilisten. Und viele der Menschen, die die Offensive in Aleppo überleben, werden danach Zuflucht bei radikaleren Gruppen suchen – schlicht, weil sie sich von ihnen besser geschützt fühlen als vom Westen. Sie verstehen nicht, warum ihnen all das dort geschieht – und warum niemand das gezielte Töten ihrer Familien und Freunde beendet.

In Syrien fallen Bomben. Und selbst die Menschen, die das Massaker überleben, werden am Ende zerstört sein. Die Kinder, die mit dieser Brutalität aufwachsen, werden Tod und Zerstörung als Normalität begreifen. Das skrupellose Ausradieren einer ganzen Stadt, das gezielte Abschlachten der Menschen lässt auch uns in einer anderen Welt zurück. Denn die Folgen dieser Offensive werden eines Tages bei uns ankommen. Die Verantwortlichen kennen wir dann.

Quelle: Syrien: Wir kennen die Verantwortlichen

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