Heute bin ich im (Un)ruhestand und schreibe über Themen, die mich bewegen, die mich interessieren, aufwühlen oder einfach nur belustigen. Keiner Zeitung mehr als Arbeitnehmer verpflichtet zu sein hat durchaus seine Vorteile und heute muss ich nicht mehr auf Anzeigenkunden Rücksicht nehmen und Themen ausklammern, die den Interessen der Inserenten zuwiderlaufen könnten. Endlich auszuformulieren, was mir in meiner Tätigkeit als Korrespondent einer Nachrichtenagentur verwehrt war. Kurz, knapp, präzise war die Devise.

Oft wird heute von gekauftem Journalismus gesprochen. Nun, wo fängt die Vorteilsnahme an? Ist es die Einladung zu einer Informationsreise, das kleine Geschenk zu Weihnachten oder der Terminplaner für das kommende Jahr? Journalistenrabatte – es gibt etliche: Ob Reisen, Auto, Computer, Handy, Flatscreen, Waschmaschine …egal was, Journalisten kriegen es billiger. Die Frage ist, warum? Vielleicht weil kleine Geschenke die Freundschaft erhalten? Zwischen 15 bis 50 % betragen die Rabatte, die viele Journalisten in Anspruch nehmen. Ich habe von solchen Angeboten stets Abstand genommen, da ich mich sonst unter Umständen hätte dem Rabattgeber verpflichtet gefühlt hätte.

Schon die Mitgliedschaft in einem Schützenverein kann für einen Lokaljournalisten zum Problem werden, wenn der Verein erwartet, das ein wenig wohlwollender oder ausführlicher über die Vereinsgeschehnisse berichtet wird. Und das erwarten die Vereine in der Regel. Die Mitgliedschaft in einer politischen Partei ist umsomehr abzulehnen, da eine objektive Berichterstattung einfach nicht mehr möglich ist und der Leser Bedenken hat, in diese oder jene Richtung manipuliert zu werden. Auch Zugehörigkeit zur Atlantikbrücke, Bertelsmann-Stiftung, Bruessels-Forum oder der Münchener Sicherheitskonferenz finde ich sehr bedenklich, da eine Ineinflussnahme nicht unwahrscheinlich ist. Es entsteht eine unerwünschte Nähe zur „Elite“, eine Komplizenschaft, die es zu vermeiden gilt. Hier geht es um die Glaubwürdigkeit im Journalismus.

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